Leseproben

Lebenserinnerungen von Kaspar Kronabel
Twaiden Deil: Deei Nakriegstied und deei 50er Joahre, ut Use Borger 2017

Schräb’n häbb ick ne Einleitung!
Ick will nu ämt an Ă„nfang van´n twaiden Daeil, van’t Thema off, – mi falt nett ien, watt wi uck noch wall möet. Wi segget danke! Wi freut us, dät ih jau so, leiwe Boarger un ButndärpslĂĽe föer deei herutgebrochten sessuntwientich „USE BORGER“ Intresse wieset häbt. Disset Intresse sägg us, dätt wi vandage noch up’n richtig’n Pätt bĂĽnt, un so wiedder moaken könnt! – K. Kr.

– Nu warrn wi wäer an 12. April 1945 van use Flucht vör de Front, ut´et Ostermoor innus, un däett söög doar willt ut. Käg`n de Maschine (Herd) leeg`n hog`n Buld Eierschille. Dej Tommys harren wall Smacht hat. Toau FĂĽhr bĂĽit`n häern seei deei Srankdöern un Loan noam, göf sichern gout FĂĽhr unner deei Eierpänne, was jäe moi dröge Holt.

Domals kam`n deei Lüe noch mit Eier tou inkop`n in de Läden, un eeimal in`ne Wäke kamm Heermann van Wäerlte un hölt deei Eier off. Ien höllt`n Kist`n woarn deei Eier dänn inpacket. Unner äers Wellpappe, doarup kamm dän`n papiern Gitter, woar deei eenzeln Fächer so grot warrn, dät`tern Ei ienpassede. So günk dätt dänn,- immer wäern näie Lage drupp, bis`dr fiewe off sesse upnänner warrn. Dät göf twäi verschiedn`ne Grött`n, Fiefhunnerter un Sesshunnerter. Ien jede Lage passed`n hunnert Eier. Heerman schull leste Wäke wall nich doar wän hämm, un somit warn sicher wall dusend Eier innus.

„Dätt mut`ter ahle up än, Haupsache dätt Hus is stahn bläb`n, sech use Pappe.“

Dit wass nu Fräidages, ännern Moagn, Saterdages, kamm Klempner Pott all up tid bi us mit`n Befehl vanne Miltärregierung, deei sück all bi Belke inrichtet häer. Pappe un ick müss`n foahrt henn Bäeckerreiner hen deei Neiboarger-strate, dätt Schwattbrot ut`n Oamt treck`n un Stut`n bäeck`n. Olde Pott häer sien Klempnerblaumann änn, un oawer`n link`n Äemel witte Ambinde mit deei Buchstab`n M. P., heei wass also so tousegg`n Militärpolizist. Heei wass deei lest`n Joahrn van`n Krieg noch bi deei „Schupo“ wän.

Deei Johnske, ass man`se domals nöümde, „Frau John“ also, häer all solange ass olde Kuckshinrichs doot wass, (mit Motorädd wass heei tödlich verunglückt), däett Gemeindebüro leitet un nu wass wall foart van denn „Alliierten Stadtkommandanten“ wär iensettet woarn. Saei schull däet wall veranlasst hämm, dätt wi henn Bäckerreiner müss`n, kamm us abber ukk gout toupasse, weil wi jäe goarnich bäeck`n kun`n, wi häern jäe goar kiene Führg`n, Täefschopp`n wass jäe offbrännt.

Schwattbrot, watt wi bäcked`n, müss so ümm dreeiuntwientig Stund`n in`n Oamt blieb`n, bis dätt richtig döerbäcket wass. Dit watt wi nu Saterdages ut`n Oamt trök`n, häer bold ne Wäke „bäcket“, un häer so ümm dreei bis fief, sess Zentimeter Kaste, mök abber nicks – in Tied vann halvestunde wass allet verkafft. Deei Lüe häern in ne Moore wall nich rächt watt tou ät`n kräg`n. Wi häbt dänn noch Surdeeig ännsettet. Gest göfet nich mehr, dätt wi Moandages Stut`n bäck`n kun`n.

Moandages gĂĽnket unner kanadischer Besatzung föert erstemal richtig los. Moagn`s ĂĽmm fief Uhr toufoute dwäss döert Däep henn Bäckerreiner, un däet was mit grote Ăśmstän`n verbun`n. Utgangssperre wass, – ick weeitet nich so genau mehr – glöw ick, vann Oams achte bis moargn`s ĂĽmm achte. Mi wasset bitken benaut, man ick häer use Pappe jäe bi mi. Deei Kanadier warn in ne Schoule inquartiert. Deei gäenze Schoulplatz stĂĽnt vull van Kriegsgerät. Ass wi bi`de Kreuzung ännkam`n, roppde vann wiedden all aeine vann deei Post`n up`n Schoulplatz irgendwatt, schull wall heeit`n „stehn bleiben“. Verstahn kun`n wi`t nich, wi kun`n jäe kienn ausländisch.

Wi häern däett Bäeckertüch änn, witt`n Kittel, witte Schötte, witte Bäeckermüsse, un kun`n döarmit denn Poste`n verklamüsern, däet wi Bäecker warn un henne Bäeckereje müss`n. Wi kun`n ümm mit Hände un Foüte sowiet in Verdütt krieg`n, däett heei us lop`n löt. Velichte warn deei Besatzer instruiert woarn, däett Saterdägmoarg`n üm fief uhr twäi Bäecker toufoute döert Däep „marschier`n“, änners känn ick mi däett goarnich begriep`n, däett wi nich mehr Äeger kreeg`g.

Normal wasset so, deei iene Sperrstun`n but`n äntröffet woart, foart dotschoat`n, oder touminst inbuchtet wäern kunn. In´ne Bäekerreje änkoam`n, mĂĽss`n wi äers mal Dinge moak`n, deei wi änners goarnich ken`n. Däett Schienfätt mĂĽss änsticket wäern – Strom göfet jäe nich- ĂĽmm wenigstens bietken seein tou köen. Dröge Holt föern Schwad`nkätel mĂĽss söcht un pass föer`de lĂĽtke FĂĽhrstäer moaket un doarmit dänn änsticket wäern, däett wi`n bietken Wäermte un heeit Woater kreeg`n. Deeige mit`te Hand moak`n wass uck watt Näijes un`n Knoijeräie, Kneetmaschine wull nich lop`n, ohne Strom. Woater mĂĽss van Janngerd off Schämjop här, deei häern noch PĂĽtt`n mit`n Winne. Tömpels PĂĽtte wass all ĂĽmmebaut föern „PĂĽttengemeenschaft“, woar Bäeckerreiner uck Woater häer kreeg`n. Doar kamm abber nicks ut`te Kraans, deei Pumpe lapde nich, wass jäe kien Strom. Allet was`n Knoijerräije. Grote Waskewanne mit twäi Mann änn gepacket, un Woater hoaln. Veeir fieff Ă–mmervull utgpĂĽttet, inne Wanne un off. Wass`n lange Strecke vann Janngerd off Schämjob henn Bäeckerreiner tou schläp`n.

Ick Bloud kunnt goarnich doun, woart abber nich na wärkäk`n, denn Rügg`n lieck hätt`de dätt dänn.

Vandage häer dätt hett, dätt känn deei lĂĽtke Junnge jäe goarnich doaun. Inne Bäckerräie mĂĽss`n dreei, veeir, fief Ă–mmer Woater dänn alle döer`n dräivettel Toll Lock mit`n Träechter un`n Woaterköppken ien denn Kätel schöppket wäern. Normal wass deei Kätel direkt änne Woaterleitung änschloat`n, abber däett Woater lapde nich, wass jäe kien Strom. Däett inschöppken mĂĽss natĂĽrleck deei S t i f t, oder wo mann domals uck nöimte, – P i k k o l o – oder – l ĂĽ t k e J u n g e – , doaun. Vandage bĂĽnt dätt „Azubis“, Auszubildende. Dröppt nich mal mehr L e h r l i n g e nöimt wärn.

Eeinesdages kamm bi us deei „Befehl“, dat Grüter Bernd, deei domals bi Bäckerjansen Lehrlink wass, un ick mit Rädd henn Haselünne schulln, tou Gest hoal`n. Angeblich schull doar, bi de Brannereie Berentzen off bi Heydt weck`n tou krieg`n wän. Wi häern Schiss inne Bückse, ick waas dach äers 15, un Grüter Bernd 13 off 14, also noch Kinner. Abber jöeseln un offlehn`n göffet nich, wi müss`dr henn. Olde gebruckte Röer, woar mann richtig inne Pedale trärn müssde, unnern Näers, un ab na Haselünne. Unnerwäg`ns kamm`n us immer wäer Käerlse toumöite oder leeg`n änne Strate, woar wi Angst föer kreeg`n, deei keek`n gramitsk un verkoam`n ut. Wi dächt`n jäe, deei kun`n us deei Röer wall wechnäm`n. Dätt is abber gout gahn.

Dat Gest hoalen häeff klappet, un wi bünnt beide mit Kartonn Gest ächter up`n Gepäckträger, ien Boarger landet, as´et all dunkel was. Use Lüe warn ahle bliedde, dätt wi`dr wäer warrn. Mann häer sück all Soarg`n moaket: „Woar bliewet deei Beid`n wall, schöll ähr jäe wall nich watt toustatt wän“.

Na`n tiedlang, wunner weet ick nich mehr so genau, göfet wäer elektrischen Strom. Dätt was ass Wienächt´n un Ostern up eein Däch. Mann häer dätt all wall seein. Hackmann, deei Elektriker wass, un weg´n Kränkheit nich Soldat wass, hünng jed`n Däech mit Stiegies´n in Boam än´ne Elektrischpahle. Deei Stromleitungen, de nich kaputtschoat`n warn, hünng´n ahle krüss un quer herümme, un woarn van ümm flicket. Ih köentet nich glöw´n, watt dätt bedüd`de. Wi höfft´n kienne Deeige mehr mit`te Hand moak`n, Kneet-maschine lappde wäer, wi höfft´n kien Woater mehr schläp´n, dätt kamm wäer vann sülb´n vann Tömpels Pütte änlop´n. Un wi höff`n kien Schienfätt mehr änstick´n, bloas nen Schalter runddrein, un alles wass vull utlöchtet; eeinfach wunneboar.

So na un na kamm´n deei erst´n Soldat´n ut Gefangschaft tourügge. Jaspers Bernd wass deei Erste. Dätt müss wall Vöersammer oder Sammer wän, ass Bäckerheiner un Kuperwilm uk wäer kamm´n. Nu höffte use Pappe nich mehr mit toau helpen, heei woart vanne Cheffin fierlik mit Mukkefuk un Kouk´n un lüdek Geschenk (t´göf jäe nich väle), verabschiedet.

Nu seet ick mit twäi häerte Käerlse, deei Joahrn lang nicks mehr ass Befehle höert häern, un göb`n däett Prinzip nu änn mi wiedder, Hinwiese meeist ien Befehlston, – moak dit oder moak däett-, nich ass vandage: „mach mal bitte eben, oder willst du das wohl eben machen“, (immer bedenk´n, vandage bĂĽnt däett jäe „Azubis“ nich ass domals, Stifte, Pikkolos oder lĂĽtke Junges).

Twientichsten Mai 1945 woarn deei Kanadier vann Pol´n offlöset. Deei Pol´n häern wall´n leeip`n Groll up us Dütsk´n, un warn doarümme uck watt liederliker ass deei Kanadier. Uemm disse Tied häern „Stiner Unkel Kloas“ un „Tant Leeine“ Sülwerhochtid. Seei warrn offbräennt un woahnd`n bi Päm-kloasine. Doar wass uck deei neegere Verwandskupp binänner koam`n, üm`n bitken tou fiern. Ick was`tr ukk. Wi seet`n alle än`n Disk bi “Muckefuck“ un so watt ähnliches ass Kouk`n, ass up eeinmal deei Kängndöere oap`n günk, twäi Pol`n mit`te Maschinpistole up`n Naeck`n in´ne Köeke stün`n.

Deei kamm foart up mi loss, un roppde: “Du Juunge, du Pimpf, koom miet!“

Ick häer deei Wintermüsse van´ne HJ up`n Kopp, natürlich ohne Abzeichen. Deei Pol`n müss`n jäe wall wät`n, dätt deei Müsse watt mit`te HJ toudoun häer.
Deei „Old`n“ beschäftig`n sück mit`n Bigge, watt Stinere jäe wall ass Geschenk krägn häern, un woarn sülwsgebrän`n Schluck häern se sicher uck all häett. Dätt Bigge fünk änn tou giern,- schull wall eeine fall`n lat`n hämm. Ick fünk uck all änn tou schreeib`n, ass deei „Old`n Käerlse“, Stiner Pappe, Unkel Robben Kloas, Unkel Wilm vanne Wohlstrate, Pämkloas, use Pappe, un well doar noch wass, sück vöer mi stell`n, un mit`de Pol`n dätt föernänner kreeg`n, dätt ick nich mehr mit müss. Doa füll mi´n Stain van´t Haarte, watt sück jäe alle vöerstell`n könnt.

Vull göff´et noch tou vertelln. Vann Evakuierte, vann FlĂĽchtlinge, vann Napola, vann EdelweiĂźpiraten un so wiede. Evakuierte warren Stättkers deei ut-bommt warn, FlĂĽchtlinge deei ut Ostpreussen, Ă„chterpommern, Schlesien oder dat Sudetenland. Deei vöer de Bolschewicki, för Stalin utknäp`n warrn. „Vertriebene“, deei noch ien disse Gebiete bläb`n warn, mĂĽss`n in twientig Minut`n, mit soväle ass seei dräg`n kun`n, äer Hus un Heimat, un alles watt seei äns noch beset`n, verlat`n! – Schrecklik!

– soweit der Text, 1/4 des Textes ist hier abgedruckt.

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Das Pferd in alten SprĂĽchen
von Alois Becker aus Use Borger 2002

Unsere landwirtschaftlichen Arbeiten wurden bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts größtenteils nur mit Hilfe der Pferde bewältigt. Dieser tägliche enge Umgang zwischen Mensch und Tier, ein Leben lang, hat eine erstaunliche Menge an gescheiten und besonnenen Sprüchen entstehen lassen, die eigenständigen Volkswitz und viel Volksweisheit erkennen lassen. Mir fiel auf, das die älteren Menschen sehr häufig Vergleiche zogen, die mit Pferden zu tun hatten. Sie waren ein fester Bestandteil des Sprachschatzes der bäuerlichen Bevölkerung. Sie zeigen uns wie eng verbunden die Landbevölkerung mit dem Haustier Pferd lebte und welche Hochachtung man vor diesem wichtigen Gehilfen hatte.

Die Sammlung dieser Lebensweisheiten begann kurz nach dem II. Weltkrieg als Pferde durchweg noch bei der Arbeit eingesetzt wurden, bevor sie dann durch die moderne Technik entbehrlich wurden. Fast sah es dann so aus als ob der (schwere) Ackergaul in Deutschland aussterben würde. In den Dörfern wurde damals nur plattdeutsch gesprochen. Folglich ist die Redensart auch plattdeutsch. Vor allem ältere Börgeraner und Hümmlinger Mitbürger wurden gezielt befragt. Sie trugen die meisten vorliegenden Wendungen bei. Ihnen aber auch jenen, die zufällig sich irgendwann äußerten meinen herzlichen Dank.

Volksweisheiten

Traun is kein Pärekoop (… is mehr as´n Peerekoop)
– ist sehr teuer

Dej Voss gait nich eher up´t Iss as doar Pärekoödel up ligget à
– Der Fuchs ist sehr vorsichtig

Schwoare Arbeit is wat för dumme Lüe un olde Päre
– die jungen Pferde muĂź man schonen

Hej sitt up´t Pärd un söch dornah
– Schusselligkeit

Hej sitt up´t Pärd wi n´Oape up´n Schliepstaein
oder Hej sitt up´t Pärd wi´n Oape up´n Prumenboom
– Er hat eine schlechte Haltung

Datt is üm angeboorn as´n Pärd dat Wältern.

Hej proatet dän Kerl van´t Pärd un settet sück doar sülwest up

Woar´n Pärd sück anstat häw, gait´et nich wär vörbi
Bi´t Veih un Päre koapen, moakt dine Ogen un den Geldbüddel oapen
bis dat Gress wasset is´t Pärd stoarb´n
– man muĂź eine Sache anpacken

Wertschätzung

Well Wichter un Päre söch sünner Mängel, häw m´Läwe kien goaud Perd in´n Stall, un in de Koecke kien Wicht as Engel

N´willig Pärd mutt man nich toau nietske driewen ( … nich de Swäpe gäben)
– Jeder Bauer (Reiter) weiĂź genau, zuerst das Pferd und dann die Frau

Kaottet Pärd un langet Swin brinkt den Bur daet meeste in
– Wer nicht liebt ein stattlich Pferd und nicht ein häuslich Weib am Herd, der ist des Namens Mann nicht wert

Goaud Pärd häw dän Hawer verdeent – schlecht Pärd is´t Fouer nich wert

Dat Pärd dat dän Hawer verdeent haff, krigg üm nich
– Undank ist der Welt Lohn

Lustiges (Heiteres/Witziges)

Gertken sitt up´t Pöttken, – pup segg Gertken, wech was´t Pärdken.

N´old Wiew un´ne Kouh de kump alltied watt toau.

Man´n Kerl un dat Pärd is di nicht vull wert, segg de Ohm un nüm de Olske de Fuselflaske weg

Nu man sacht an mit de Päre up de Foahrt segg de Bur, ans susset us de Hoar noch van´n Kopp
– Eile mit Weile

Bi ümme bünn ik oak leiwer Gebetbouk as´n Pärd

De Buur is unnerweggens mit sin Pärd un sin Söhn, dej kägen üm anlapp. Dat sütt´n Stadtker und froag üm, woarümme de Söhn dann lopen mut un de Olde ritt. De Bur: „De Junge haff kein Pärd“

Deftiges (Reime/Bekundungen)

laat um man driester trecken, Malk gäwen deut heij doch nich
– er ist zu nichts anderes zu gebrauchen

Bi de Döape säe de Bur: Bloos Jan, söll he heaiten, wi willt um ächter de Päre bruken.Moak mi nich daei Päre mall
– Kleinigkeiten aufpauschen

Schlecht Pärd häw den Hawer nich verdäint.
– Goud Pärd haff sin Hawer wall verdäint)N´Pärd rĂĽerd (mausert) nich Ă  gilt als zuverlässig

Hej sitt hoch up´t Pärd (hej sitt up´t hooge Pärd)
– er ist ĂĽberheblich

Hej latt de Lüppen hang as´n Mähre owert doot Füllen
– er macht einen schlechten Eindruck

Dat Nödigste toau erst segg de Buur un bestreek dat Wiew un loat dat Pärd up de Wennigen

Wiewer stawen bringt kien Verdarwen man Päre in´t Graw bringt den besten Bur an´n Bädelstaff
– Gute Pferde sind unersetzlich, eine neue Frau ist schnell wieder auf dem Hof.

Well Glück haff mit de Päre un Unglück mit de Wiewer, de kann wall Bur bliewen. à (siehe vor)

Nu schoae mi de olde Mähre an´t Gatt
– bei Verwunderung/Ăśberraschung

Doar harr´n wi Goddes Word swatt up witt, säen de Lüe, do reed de Herrum up´n Schümmel

Pflege und Futter

Striegel un Streu deut´t bäter as Heu
– gutes Futter und Putzen bringt guten Nutzen

N´Pärd dat toau vull bisitte grüpp, krigg´n Muhlkorf
– die Liederlichkeit austreiben

Bi dän Snösel mutt daei Hawersack höger
– er ist ĂĽbergewichtig

Üm steck de Hawer – hej bruckt de Swäpe
– er ist ĂĽbermĂĽtig

Dat Pärd is liederlick, hej mut nu an´t kate Ende (gaan) Dissen must du an dej Kandarre nähme. – Dat hol´t dat beste Pärd nich ut Ă  Hej holt för de rachte Smeer Ă 

Rätsel

Vörn un achter Fleesk, in de Mirre unner Isen und drower Holt, wat is dat?

Achter use Huse plöuget Mester Kruse, sünner Ploug un sünner Stock, sünner Pärd un haff´t so drock?

Isern Pärd mit´n langen Steert, je nietzker dat Pärd trecket üm so kaoter watt de Steert oder
Isern Pärdken mit´n flassen Steertken, je dullen loap dat Pärdken je kaoter watt sin Stertken?

Woarüm kann´n Pärd kein Snieder weern ?Vörne frätt et, ächter spreck et ?

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„Da half nur noch das Beten“ Dramatische Minuten bei Kriegsende
von Walter Goldmann aus Use Borger 2010

Vorbemerkung: Walter Goldmann lebte ab 1940 in Börgerwald bei seinem Onkel Bernhard Hunfeld. Die Hofstelle lag an der Esterweger Straße, gleich hinter der Gaststätte Langen/Muttkes; der Hof ist heute dort nicht mehr vorhanden. Am 9. April 1945 erreichte die Front von Neubörger kommend den Ort Börgerwald. Zu dieser Zeit war der Küstenkanal Kampflinie.

Walter erinnert sich: Die kanadischen Panzer kamen als Spähtrupps aus Neubörger; sie fuhren über die Kirchstraße, an der Panzersperre bei Korte/Blockwillm vorbei bis zur Kreuzung in Börgerwald und erkundeten das Gelände in Börgerwald. Es waren drei Panzer, einige LKW und Jeeps mit ein paar Dutzend GI´s. Sie nahmen Quartier bei der Gaststätte Grote. Von der Kreuzung aus ging es dann später weiter in Richtung Börgermoor, wo sich die deutschen SS-Truppen am Küstenkanal verschanzt hatten. Zwischen den Kanadiern und der Front am Küstenkanal, wo die Wehrmacht noch stand, hatten sich beim Mühlenbetrieb Breckweg an der Schleusenstraße (heute Kaufhaus K&K), ca. ein Dutzend SS-Leute verschanzt.

Wir, d. h. mein Onkel, meine Cousinen Margret, Katharina und ich, waren dabei, Hausrat wieder einzuräumen. Wir kamen gerade von Verwandten vom Wattberg zurĂĽck. Hier, etwas abgelegen hatten wir die Front abgewartet. Die Kampflinie war von den deutschen Truppen von Börgerwald nach Börgermoor zurĂĽckverlegt worden und wir glaubten uns in Sicherheit. Danach um 9 Uhr säuberten wir Kinder den Kuhstall. Da öffnete sich plötzlich die StalltĂĽr (Falldöre), und zwei schwer bewaffnete deutsche Soldaten standen vor uns. Wir waren natĂĽrlich mehr als ĂĽberrascht. Man bedenke, ca. 80 Meter entfernt – bei der Wirtschaft Grote/Muttkes – lagen die kanadischen Soldaten.

Die Wehrmachtsangehörigen beruhigten uns: „Ihr braucht keine Angst zu haben, wir tun euch nichts, sie wollen euch von den Feinden befreien“. Ihre Frage, wie stark die Besatzung sei, konnten wir nicht beantworten. Dann fragten sie uns, wo der Bauer sei. Mein Onkel war in der Küche; so gingen wir mit den beiden deutschen Soldaten dorthin. Mein Onkel Bernhard war erstaunt, dass plötzlich am frühen Morgen zwei schwer bewaffnete deutsche Soldaten in der Küche standen. Sie wiederholten sich: „Ihr braucht keine Angst zu haben. Wir tun euch nichts. Wir wollen nur den Feind beobachten und euch morgen befreien.“ Sie, der Waffen-SS-Unteroffizier und der Feldwebel, fragten uns dann, ob es oben im Hause eine Stelle gebe, von der aus man den Feind bei der nahe gelegenen Wirtschaft Grote gut beobachten könne. Mein Onkel sagte nichts, weil er immer noch erschrocken und sich der Gefährlichkeit der Situation bewusst war. Die beiden SS-Männer gingen dann alleine mit ihrem leichten MG vor der Brust, quer durch das Haus, so als wenn sie alles genau kannten, in den Flur, von wo aus die Treppe nach oben führte; dort lagen die Zimmer und dort war der Zugang zum Dachboden.

Zu dieser Zeit stand die Haustüre offen – und zu unserem Schrecken sahen wir auf der Straße kanadische Soldaten an der Panzersperre vor dem Haus patrouillieren! Mein Onkel sagte zum SS-Mann: „Mach doch die Türe zu. Die brauchen euch doch hier nicht zu sehen“. Er schloss die Tür. Darauf sagte einer der deutschen Eindringlinge: „Lass sie nur kommen! Wir haben keine Angst!“ Dabei zeigte er mit entschlossenem fanatischem Gesichtsausdruck auf seine Waffe.

Welch eine Situation!

Im Hause zwei schwer bewaffnete, fanatische SS-Soldaten, wahrscheinlich hasserfĂĽllt und unbelehrbar, – und vor dem Hause schwer bewaffnete kanadische Soldaten, mit klarem Auftrag und entschlossen! Und keiner wusste vom andern.

Bevor dann die beiden Wehrmachtsangehörigen die Treppe emporstiegen, wiederholten sie ihren Spruch: „Ihr braucht keine Angst zu haben. Wir verschwinden so geräuschlos, wie wir gekommen sind. Morgen früh seid ihr vom Feind befreit! Heute Nacht setzten Truppen über den Küstenkanal und befeien Börgerwald. Wir erkunden nur.“ Keiner von uns wusste nun, ob sie nun nach oben in die Zimmer gegangen waren oder sich durch den Bodenraum in die Scheune verdrückt hatten und sich dort versteckt hielten. Mein Onkel forderte uns auf, in der Küche zu bleiben: „Und niemand geht nach draußen und verrät, dass hier deutsche Soldaten sind!“ und: „Ihr bleibt hier alle zusammen“. Meine Tante zündete eine Kerze an und stellte diese auf den Tisch und sagte: „Kommt, lasst uns beten!“ Wir hatten panische Angst. Wir beteten inbrünstig darum, dass diese Situation gut enden solle.

Während des Betens hörten wir Panzergeräusche in der Nähe des Hauses. Mein Onkel stand auf, ging zur Haustüre und erschrak erneut. In der Haustür vor ihm standen zwei kanadische Soldaten, mit Maschinenpistole im Anschlag und Entschlossenheit im Gesicht! Vor dem Haus stand ein Panzer mit dem Rohr auf das Haus gerichtet, am Giebel ein Weiterer und hinter dem Haus ein dritter kanadischer Panzer in Drohstellung. Einer der beiden GI´s fragte in gebrochenem Deutsch: „Hier deutsche Soldaten?“ Mein Onkel wusste nicht, was er sagen sollte! Ihm verschlug es die Sprache; durfte er die beiden Landsleute dem Feind „verraten“? Könnte man in dieser Situation Deutschlands überhaupt noch von Verrat sprechen? Er konnte andererseits auch nichts angeben, weil er den Aufenthaltsort auch wirklich nicht kannte. Er war sich unsicher; sprachlos! Der Soldat, zum langen Verhandeln nicht bereit, zeigte mit einem Finger auf seine Armbanduhr und drohte: „…in fünf Minuten! …dann alles platt!“

Mein Onkel wusste ja nur, dass die beiden Deutschen die Treppe hochgestiegen waren, später hatte er nichts mehr von ihnen gehört. Die GI´s ahnten wohl, das die SS-Leute im Obergeschoß waren und scheuchten meinen Onkel die Treppe hoch, mit einem Gewehr im Rücken. In höchster Anspannung bewegte er sich die Stufen hoch – denkbare Zielscheibe der beiden verfeindeten Gruppen. Die Kanadier folgten, blieben aber oben im Flur stehen. Onkel Bernhard, in dieser angsterfüllten, fürchterlicher Situation, ging durch eine Tür in Richtung Heuboden und rief: „Wo seid ihr? Ergebt euch! Sonst habt ihr keine Chance, lebendig herauszukommen! Überlegt euch das schnell! Das Haus ist von Panzern umstellt. Es wird sonst platt gemacht – es ist mein Hab und Gut. Ergebt euch!“

Einige Schrecksekunden, rasender Puls, Totenstille.

Dann Geräusche auf dem Dachboden über den Schlafzimmern. Dort lagen die Waffen-SS-Leute vor einem Uhlenlock (Rundfenster im Giebel des Hauses). Von da aus konnte man sehr gut die alliierte Besatzung bei Grote beobachten. Die Deutschen Soldaten erkannten wohl die Aussichtslosigkeit der Situation, (sie haben ja alles beobachtet) legten dann „Gott sei Dank“ ihre Gewehre an die Seite und ergaben sich. Die Kanadier führten sie ab. Wir saßen noch eine ganze Weile in der Küche und sprachen gemeinsam Dankgebete!

Das Beten wird wohl geholfen haben.

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Schicksal und Verbleib von Nachkommen der Familien Jacobs – Unsagbares Unrecht an Deutsche, jüdischen Glaubens.
von Hermann Ubbenjans aus Use Borger 2011

Bei unseren Bemühungen Materialien zum Buch „Börger Geschichte“ zu sammeln, fragten wir auch nach den jüdischen Mitbürgern in Börger, in den 1800er Jahren. Daraufhin wandte sich im Januar 2004 Siegfried Hohmann aus dem Sauerländischen Bestwig-Nuttlar an den Heimatverein Börger. Er erbat Hilfe bei der Erstellung der Lebensbiographie von Erik Jacobs, dessen Vater Mey´er in Börger geboren sei. Dieser Aufforderung kamen wir natürlich nach. Im Mai 2010 wiederum wandte sich Gertrud Althoff aus Münster an die Gemeinde Börger um Informationen über diesen Zweig ihrer Familie zu erfahren, da sie schon lange Jahre Familienforschung der jüdischen Familien betreibt. Die Gemeindeverwaltung leitete die Mail weiter an den Heimatverein Börger.

Wir stellten fest, dass dieser Mey´er Jacobs tatsächlich in Börger geboren wurde und dass bei seiner Geburt insgesamt vier Familien jüdischen Glaubens in Börger wohnten. In einer Ausarbeitung „Jüdisches Leben im Emsland“ findet man die Familien. In einer Kurzabhandlung berichteten wir schon in Use Borger 2005 S.99 über die Familien. Die deutschen Familien jüdischen Glaubens gehörten zur Synagogengemeinde mit der Synagoge in Sögel. Hier war auch eine jüdische Schule für die Kinder der umliegenden Orte, in denen Familien jüdischen Glaubens ansässig waren (Wahn, Lathen, Werlte, Lorup, Börger). Die vier Familien wohnten im Ortszentrum von Börger, in der Straße, die später Poststraße oder gelegentlich „Judenstraße“ genannt wurde.

David Jacobs, ist mit Friederike (Rikka) geb. Frank aus Lathen verheiratet und kauft in Börger das Grundstück mit der Nr. 59 (ehemaliges Vollerbengehöft, der Familie Kossen) kurz vor der Geburt der ersten Tochter Minna im Oktober 1854, mit dem Markenrecht. David stammt aus Sögel und seine Ehefrau ist die Tochter von Gottfried Levi Frank und seiner Ehefrau Rosa Meyer aus Lathen. Die Familie hat insgesamt neun Kinder. David Jacobs wird in Stammbüchern der Synagogengemeinde als Höker (Kaufmann) bezeichnet. In den Folgejahren baut er auf dem Grundstück ein neues Gebäude (siehe folgendes Foto). Auf dieser Hofstelle liegt noch ein ¼ Markenrecht an der Börger Mark. Des Weiteren wohnte, wohl mit in diesem großen Haus. Sein Bruder

Samuel Jacobs der mit Elisabeth (Elisa) Frank verheiratet ist. Sie haben acht Kinder. Samuel zieht 1860 nach Lathen. Es gibt Hinweise und Überlieferungen, dass die Familie David Jacobs zuerst im Haus mit der Nr. 118 (späteres Jugendheim in der Poststraße) gewohnt hat. Dieses Haus gehörte vorher der Familie des Brinksitzers Heinrich Schmitz (GooseJans), die auf dem Dosfeld siedelten und dann nach der Markenteilung in Neubörger am Jümberg ansässig wurden. Im Haus mit der Nr. 118 wohnt im Jahre 1858 (Urliste der Häuser und Einwohner vom 03.12.1858)

Aaron Jacobs, ein Verwandter von David Jacobs. Dieser ist Pferdehändler. Er ist mit Nette Heilbrunn aus Lengerich (Westfalen) verheiratet. Diese Familie hat neun Kinder. Als Aaron Jacobs Börger wieder verlässt, geht dieses Haus in den Besitz der Witwe Thekla Lindemann geb. Schnieders (Limdes Oma) über. Sie kauft das Haus für die in Börger tätigen Kapläne, die dort dann wohnen können. Später geht das Gebäude in den Besitz der Katholischen Kirchengemeinde über. Eine weitere Familie jüdischen Glaubens,

Abraham Köster und Ehefrau Dora Meyer mit den Kindern Salomon und Jakob wohnen nur kurz in Börger, evtl. im Haus mit der Nr. 118. Abraham Köster ist wohl bei den BaumaĂźnahmen der Familien Jacobs in Börger hier tätig und zieht dann nach Wahn. Salomon stirbt 1873 in Wahn. Sohn Jakob ist später verheiratet mit Betje de Beer aus Pekela, Holland und Händler in Aschendorf. Ăśber das Leben der jĂĽdischen Familien in Börger ist nicht sehr viel ĂĽberliefert. Sie lebten vom Handel, zogen mehrmals in der Woche mit Pferd und Wagen ĂĽber die Dörfer und besuchten ihre Kundschaft. Ansonsten lebten die jĂĽdischen Familien in der kleinen Dorfgemeinschaft ungehindert und friedlich. Die Juden auf dem HĂĽmmling galten als gläubig und waren fest mit ihrer Tradition verbunden und pflegten gute Kontakte mit der Bevölkerung. Gelegentlich hörte man Schimpfrufe von Kindern, die aber auch unter den katholischen Kindern wohl an der Tagesordnung waren. Der Schimpfreim „Juda hepp – Juda hepp“ (hepp = heroda est perdita, Jerusalem ist gefallen) ist heute noch bei einzelnen Börgeranern bekannt. Neben der allgemeinen Schulausbildung halfen die Dorfjungen ĂĽblicherweise in der Landwirtschaft im Stall, als Schäfergehilfen oder Kuhjungen. Die Kinder der jĂĽdischen Familien brauchten das nicht. Sie halfen im Geschäft der Väter und wurden dort ausgebildet; waren oft in Sögel und erhielten Unterricht. Hier lernten sie die religiösen Gesetze und Regeln der Synagogengemeinde und wurden, weltgewandt und umfassender ausgebildet als die katholischen Kinder in Börger. Die jĂĽdischen Kinder waren zudem reisefreudiger und verbrachten viel Freizeit bei verwandten Familien.

David Jakobs Kinder: Minna Jacobs geboren am 7. Oktober 1854 in Börger heiratet am 28.11.1888 in Sögel Philip Abraham Hartog aus Aurich und zieht mit ihm dorthin. Diese Familie hat einen Sohn mit Namen Adolf Phillip. Dieser zieht um 1920 wieder nach Sögel.

Hannchen Jacobs geboren am 15. Dezember 1856 in Börger geht scheinbar mit ihrem Bruder Meyér ins Ruhrgebiet und hilft hier im Haushalt.

Tochter Bertha geb. 23. Februar 1869 in Börger stirbt 1jährig am 29.03.1870 in Börger und wird auf dem jüdischen Friedhof in Sögel am Loruper Weg beigesetzt.

Rosa Jacobs geboren am 23. März 1871 in Börger ist mit dem Metzger Isaac Weinberg in Sögel verheiratete und hat vier Kinder. Alfred, Resi, Martin und Adda. Alle werden von den Nazis verschleppt und umgebracht.
Auguste Jacobs die jüngste Tochter wird am 11. Dezember 1872 in Börger geboren. Sie heiratet in den 1890er Jahren den Kaufmann Moses Rosenthal in Rheine. Von den Kindern der Familie Moses Rosenthal und Auguste geb. Jacobs aus Börger gelingt nur Nanny, der ältesten Tochter, die Flucht aus Europa. Sie ist mit Heinz Silbermann in Meppen verheiratet und wohnt dort „Am Markt 31“. Sie verlassen mit ihren Kindern 1939 die Stadt Meppen und gehen nach Baltimore in die USA. In Meppen war der Antisemitismus stark ausgeprägt. Alle anderen Kinder des Paares Rosenthal/Jacobs, Rheine, später Ibbenbüren leben ab 1934 in Holland. Dort mag es ihnen wirtschaftlich besser gegangen sein, doch mit der deutschen Besatzung waren sie alle dem Tode ausgeliefert“, Sie sterben zwischen 1942 und 1945 nach ihrer Deportation in Auschwitz, Buchenwald, Sobibor oder bei Groß-Rosen. Nanny stirbt am 26.08.1960 in Kaliforniern in Van Nuys.

Der älteste Sohn von David Jacobs, Josef geboren am 02. Juni 1859 in Börger, heiratete in Sögel und gründete dort eine Familie. Er betreibt einen Eierhandel. Seine Söhne David und Sammy dienen im 1. Weltkrieg für Deutschland. David übernimmt nach seiner Kriegsgefangenschaft in England den Eier-handel in Sögel. Sammy fiel für das Deutsche Kaiserreich an der Front. Rieke die einzige Tochter der Familie versucht vor den Nazis zu flüchten. Sie wird im Sommer 1942 aus der Mozartkade Nr. 1 in Amsterdam verschleppt und am 30.09.1942 in Auschwitz von den Nazis ermordet. Vater Josef und auch die Familie von David jun. sterben alle 1943 in Theresienstadt und in Riga.

Jakob geboren am 9. Juli 1864 in Börger. Er ist ebenfalls als Händler in Sögel tätig. Er stirbt 74jährig im Jahre 1938 in Sögel. Seine Witwe Bertha geb. Reingenheim aus Hopsten stirbt am 20.03.1943 in Theresienstadt. Die Kinder David, Jordan und Phillip sterben 1942 in Salaspils bei Riga. Kind Rosa und Enkelsohn werden aus Amsterdam verschleppt und sterben am 07.07.1944 in Auschwitz.

Levi geboren am 29.11.1866 in Börger ist mit Sophie Meyer aus Sögel verheiratet und hat zwei Söhne David und Georg. Georg übernimmt das Viehgeschäft seines Vaters, ist verheiratet und hat ein Kind. Auch diese Familie verschleppten die Nazis. Levi stirbt schon am 2. Sept. 1942 in Theresienstadt. Die Kinder David und Georg sterben später in Auschwitz bzw. Theresienstadt.

Mey´er Jacobs geb. am 12.10.1861 wird nach seiner Schulzeit in Börger und Sögel ins Ruhrgebiet geschickt und baut seine Fähigkeiten als Kaufhändler aus. Danach arbeitet er in einem Handelshaus in Recklinghausen. Ihm zur Seite steht seine Schwester aus Börger. Sie besorgt ihm den Haushalt. Im Jahre 1891 heiratete er Emma Weinberg aus Siedlingshausen im Sauerland. Ihr Vater hat jeweils ein Geschäft in Recklinghausen und in Nuttlar im Sauerland. Nach der Hochzeit entschließt man sich das Geschäft Nuttlar, da es das einigste Handelsgeschäft dort ist, weiterzuführen. Außerdem sprechen religiöse Argumente für Nuttlar. Hier im Sauerland war man unter gläubigen Juden, im Gegensatz zur Industriestadt Recklinghausen, wo nicht einmal der Sabbat heilig ist. Sie handeln mit Fabrikwaren und Textilien, aber auch mit Alteisen und Lumpen und Schafwolle. Gelegentlich auch mit Obst und Gemüse, die sie ins Ruhrgebiet schicken. Nebenbei werden Drogerieartikel verkauft. Die Geschäftsbeziehungen reichten bis auf den Hümmling. Ein reger Handelsaustausch mit Waren aus dem Ruhrgebiet mittels Eisenbahn nach Sögel und Börger ist belegt. Emma und Meyer Jacobs arbeiteten hart und ermöglichen so ihren Kindern eine gute jüdische Ausbildung. Sie waren angesehene Bürger von Nuttlar und sie waren galten als mildtätig. Tochter Hilde übernahm das Handelsgeschäft und den Textilhandel in Nuttlar zusammen mit ihrem Ehemann Louis Herzstein aus dem Raum Beverungen. Beide und ihre vier Kinder werden 1943 deportiert und ermordet. David wurde Lehrer und meldete sich 1914 freiwillig zum Militärdienst für den Kaiser. An der Front in Frankreich fällt er für Deutschland. Auch Alfred wurde Lehrer und diente als Freiwilliger im I. Weltkrieg an der Front, war später als Rabbi und Lehrer in Bad Kreuznach tätig. Er wanderte mit Familie nach der Reichskristallnacht offiziell in die USA, nach Washington aus. Erich wird ebenfalls Lehrer arbeitete später in Frankfurt in einem jüdischen Waisenhaus, danach in Köln, Unna und Recklinghausen als Deutscher Beamter. Er ist mit Hetti Herzstein aus dem Raum Beverungen verheiratet. Das Ehepaar Erich Jakobs ist am 8. Sept.1941 mit den Kindern Fredel und Jethro über Spanien und Kuba in die USA emigrierte. Kurz vorher am 1. Okt. 1939 waren die Lehrer jüdischer Abstammung aus dem Staatsdienst entlassen worden. Frieda arbeitet nach ihrem Studium als Hebräisch-Lehrerin in Halberstadt, Bad Kreuznach und Berlin. Die heiratete Salli Neumann in Berlin. Als bekannte Zionisten wandern diese beiden 1936 nach Israel aus. Schwester Bertha wandert mit Ehemann Sigismund wenig später nach Argentinien aus. Hilde arbeitet in Frankfurt und heiratet später Nandi Beyer. Nandi ist Rabbi und wanderte über Holland nach England aus. Später ließen sie sich in Montreal in Kanada nieder. Schwester Rosa arbeitet in Sögel, heiratet später den Viehhändler und Schlächter Isaac Weinberg. Diese Familie handelte oft und viel in Börger. Sie waren bekannt und es sind einige Gegebenheiten überliefert. Rosa wurde in Riga ermordet. Die Kinder Alfred, Resi, Martin und Adda und auch Isaac Weinberg im Vernichtungslager Auschwitz. Erika die Jüngste arbeitete bei ihrer Schwester Hilde im Hutmachergeschäft in Nuttlar. Sie versteckte sich bei Freunden in Holland, wurde aber 1941 in Amsterdam ausfindig gemacht und von den Nazis entführt, verschleppt, gequält und umgebracht.

Aaron Jacobs Kinder:
Rosette Jacobs geb. 26.6.1857 in Börger heiratet Isaak Schaap in Lathen. Sie haben sechs Kinder. Der älteste Sohn fällt als deutscher Soldat im Ersten Weltkrieg im Alter von 30 Jahren. Aron der zweite Sohn ist Viehhändler in Lathen. Er wird 1942 mit seiner Ehefrau Anna Stein und den Kindern Joachim und Leonie verschleppt und alle sterben 1942 in Auschwitz. Tochter Nette stirbt kurz nach ihrer Heirat im Alter von 38 Jahren in Lathen. Tochter Angelika ist mit Philip Grünberg aus Jemgum verheiratet. Beide sterben 1941 / 1942 in Minsk. Sohn Bendix ist Viehhänder in Lathen bei seiner Familie. Er ist verheiratet und stirbt mit Ehefrau und drei Kindern 1943 in Ausschwitz. Die jüngste Tochter Henny ist mit Wilhelm Grünberg verheiratet, der ebenfalls aus Jemgum kommt. Henny stirbt im KZ in Minsk Ende 1941 / Anfang 1942 Salomon Jakobs geboren am 19.12.1959 in Börger ist Fleischhändler und wohnt in Lathen. Er ist mit Lina Rosenberg verheiratet. Ihr einziger Sohn Albert fällt im Ersten Weltkrieg am 13.06.1915 als Deutscher Soldat in Frankreich. Ihre Tochter Nette wird im KZ Auschwitz ermordet. Moses Jacobs geb. 6.8.1864 in Börger ist Viehhändler in Lathen und heiratet in Ihrhove Röschen de Levi aus Oude Pekela in den Niederlanden. Joseph Jacobs, geb. 12.10.1866 in Börger hat mit Sara de Vries drei Kinder. Sie leben in Leer Ostfriesland. Jacob Jacobs geb. 27.20.1868 in Börger heiratet in Lathen Johanna de Jong. Über Abraham geb. 4.6.1871 und Gella 18.03.1874 liegen noch keine Infos vor.

Samuel Jacobs Kinder:
Das Ehepaar hat neun Kinder. Die ältesten beiden, Samuel geb. 1858 in Börger u. Fritz geb. 1861 in Börger sterben im Kindesalter, Rosa geb. 1865 ebenfalls. Emma geboren im Jahre 1867 in Lathen ist mit Joseph Jacobs in Sögel verheiratet. Meier Jakobs geboren 1876 in Lathen ist Kaufmann in Twistringen. Er ist verheiratet mit Ida Rosenwald. Beide sterben in Warschau. Über den Verbleib der Anderen ist uns noch nichts bekannt.

Eine Gegebenheit sei noch erwähnt, die in Erinnerung ist. An mehreren Wochenenden im Jahre 1944 sind in Börger im Saale der damaligen Gastsätte Belke in Börger Haushaltsgegenstände der jüdischen Mitbürger versteigert worden. Überliefert ist, dass diese Versteigerungen anfangs sehr uneffektiv für die Behörden verliefen und der angereiste Auktionator ungehalten mit der hiesigen Bevölkerung Schimpftiraden losließ und neue Termine festsetzte. Nach mehreren Terminen jedoch wurden die Gegenstände dann zumeist an auswärtige Ankäufer (unter Preis) veräußert.

Eine weitere (fragliche) Info ist aufgetaucht. Im Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der NS-Gewaltherrschaft in Deutschland von 1933 – 1945 ist eine Emma van Dam geb. Jakobs verzeichnet. Diese soll am 14. Mai 1876 in Börger, Hümmling, Hannover geboren sein. (Eltern:?) Sie soll 1942 ins Vernichtungslager Auschwitz transportiert worden sein und man notierte sogar als Wohnort Börger. Das ist fraglich aber vielleicht bringen zukünftige Forschungen Licht in die Sache. Und auch ein Foto aus dem Jahre 1882, das den Gesangverein Börger zeigt deutet auf eine weitere Spur hin. Die 27köpfige Gruppe von jungen Börger Männern steht vor dem Haus Nr. 200 in Börger. Vor der Gaststätte und Bäckerei von Luis Smits. Dieses Haus bewohnte früher Aaron Jakobs und 1882 vielleicht eine bekannte jüdische Familie namens Smits, denn dieser Name ist in Börger nicht geläufig.

Für die Informationen zu diesem Artikel danke ich Jetro Jacobs aus Israel, (Urenkel von Erik Meyer Jacobs geboren 1861 in Börger), Siegfried Hohmann aus Bestwig-Nuttlar, Sauerland und OStD Holger Lemmermann, der viele Informationen über die Jüdische Gemeinde Sögel zusammengetragen hat, und Heinz Schmees vom Gemeindearchiv Sögel sowie Gertrud Althoff aus Münster und Remidius von Böselager in Bielefeld, recht herzlich.

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Hochtiedsnörger – Hochzeit von Joseph Arnold und Maria Stein
am 9. Nov. 1909 in Brussels und Deer Plain, Calhoun County – Illinois USA. Verwandtschaft der ausgewanderten Familie Bernhard Plüster aus Börger

Stürt jau´n Hund und hold jau´n Mund, denn de Hochtiednöger de kump. Hold jau´n Hund van blaffen, und jaue Kinner van lachen, Goauden Dach! Hier sett ik mien Stock und mien Stab, und moake mien Böskup wall bekannt.

Die Welt ist rund und mein Stock ist bunt. Min Stock ist ja länger wie min Been, und dat könn ih oak alle wall saein. Ich kam her geritten, um Euch auf die Hochzeit zu bitten! Mein Pferd habe ich draußen stehen, darum muss ich zu Fuß hier rein gehen. Gestern abend, als ich anfing zu studieren, da tat mich die Jungfrau faxeiern, da habe ich mit Ihr in die Stube gesessen, und habe auf mein studieren vergessen. Es haben mich hierhin geschickt, Josef Arnold als Bräutigam, Mary Stein als Braut, um Euch zu bitten, nächsten Dienstag auf die Hochzeit zu kommen, Jung und alt, Groß und klein, als so wie Ihr im Hause versammelt seit – ik nöge kiene Katten un Muß sonnern sonst alle ut dit Hus. Kleidet Euch schön aber nicht all zu fein, denn die Braut und der Bräutigam wollen doch gar die aller schönsten sein.

Ich war mal im Lande Hessen, da gab es große Schüsseln, aber wenig zu essen, saures Bier und bittren Wein, der Teufel mag vom Lande Hessen sein. Da kam ich mal im Lande Sachsen, wo die Mädchen auf die Bäume wachsen, hätte ich daran gedacht, so hätte ich für mich und für den Joe Arnold eine mitgebracht, da aber habe ich mich besonnen, denn sie sind mir hier viel schöner vorgekommen. Denn hier kann man sie bekommen, Eins, zwei, drei Dutzend für ein Strohseil, ist das nicht wohl feil.

Da kamen 2 Reiter von Westen und wollten sich ein wenig bei mir Ressen, da kamen 2 Reiter aus dem Osten, die wollten sich nicht lassen trösten, da kamen 2 Reiter aus dem Süden, die wollten mich ganz verwüsten, es kamen 2 Reiter aus dem Norden, die wollten mich ganz und gar ermorden.

Da habe ich die Flucht genommen, und bin bei Steins ins Haus gekommen, da fand ich ein Mädchen, so flink und betraut, die konnte sich drehen auf einen Tellerrand. Sie ist so hübsch und fein, darum sollte sie auch die Frau Arnold sein.

Hassen und Türkes wasset in Feld, Erbsen und Bohnen sind ungetellt. Peper un Gewürze fein, söll oak kien Mangel an sein. 7 Ofen ful Stuten laatet von binnen beater als van buten. Geschlachtet bünnt vor allen, fätte Ossen, 6,7! feiste Wäre 8, 9! 10 olde Auen könnte Wichter up kouen. Stück van olden Bullen, doar könnt daei Wiewer up tullen.

Ik koame hier nicht tau puchen un pralen, uk nicht Äpfeln und Beeren hahlen, ik koam nich wie´n Hund ohne Stert, denn so ein junger Freier wie Ich, ist lange nich verfert und wenn ih meent datt is nich woahr, dann schenkt mie´n Glas Bitter oder`n Kloarn und wenn ich meint dat is man gout dann bakket mien Kouken van Eier und Speck. 1 Yoard ist zu wenig, 2 ist auch nicht zu viel und wenn sie mich von Herzen bitten, bin ich auch mit 3 zufrieden.

Nu Moauer lat us mal Küren van´n Höuner Abend. Habe ih né goude fette Henn oder Hoahn, daei van Fettigkeit nich in Hoak kann koamen, bind se an Stock und bring se usen Kock, daei schöll se in Waoter schön butter braohen, schöl üm dregen up den Disk, se schält nich wäten wat vor broaten Vogel it ist. Stück van Hund ist ungesund, Stück van Paerd is draegen nicht wert. Schwienestert ist mitnähmen uk wall wert. Schwien an sich is´n goaud Köckengericht. Schwieneschinken – junge, doar könn wie een gouden up drinken. 24 Borrel Beer drink wie mit Pläseer. 24 Musikanten sinnt bestellt, 2 mit Drüpen, doar könnt die Wichter van Wüppen. Schont nich jaue Stäwel und Schauen, wegen dat Fiern, denn daei Schauster maoket alle Dage wecke währ. Draußen in der großen Stadt Deer Plain, draeget sei alle van Papier daei Rabber-Kroagens, aber bei us in daei grote Stadt Brussels doar dräget sei alle von daei schönen linnen Kroagens.

Hochtiedsnörger van Hümmling (van Schürmann´s Nordkamp)

Holt jau´n Mund – un stüert jau´n Hund, daei Nöager van daei Hochtied daei kump. Binnt jaue Hennen un Hoahn – an, dat man se oak saein un hören kann. Min Stock is länger as min Baein – dat koen ih ja oak wall saein. Min Stock is rot, un mine Hand is blood so haeb ik voer dat dumm weern noch kiene Not.

Doar kwam ik in Trier, Trier is wiet van hier, un waeet ih wat ik up daei Foahrt verteer – haebb min Sattel un Tohm un´t ganze Peerd, was dat dae Reise nah Trier wall wert? Doar kaeem ik in Sachsen woar daei Wichter up daei Böhme wachsen, haar ik dran dacht, hädde ik för mi un min Kamerad eene mitbracht! Haar ik dat aber dahn, harr ik nu in Verlegenheit stahn!

Man doe kwam ik auf ein Bauernhof – da trat ein schönes Mädel hervor, so schön un so heller, konnte stehn auf´n Teller konnte sich dreh´n auf ein Stück Land, dass war ein Mädchen – so konstant. Da hab ich bei ihr so lang gesessen und hab ganz auf mein studieren vergessen!

Nu roahet iss watt to eeten wall guff bi Ăśmmeke un Jan-Gerd ` – sess Waers, daei habbt dicket Fett tĂĽsken Kopp und Naers un sess Ă–hmde voll Stuten daei bĂĽnnt van binnen better als van buten. Un nu genauch – nu Lind an´n Stock oder dat Hus oaverkopp, Fussel her oder all mine Wörder heer un nu wĂĽnsk ick jau – Greite un Jan-Bernd vor vandag noch vaehl, – vaehl Plaiseer un för daei Tied, noch masse, goaude Joahr