Maler in Börger

Bemerkenswert ist eine Vielzahl von Künstlern, die sich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert in Börger aufgehalten haben und hier Zeichnungen Aquarelle und Gemälde fertigten. Sie sind nicht nur schmückendes Beiwerk der Ortsgeschichte sondern verdienen es näher betrachtet zu werden. Die Kunstsachverständige Dr. Christiane Kerrutt aus Rheine, beleuchtete in ihrem Aufsatz im Buch „Börger Geschichte des Hümmlingdorfes von 2005“ wie vielseitig sich die Kunst präsentiert. Das von den Kunstzentren weit abgelegene Hümmlingdorf habe erstaunlicherweis im Zeitraum von 1875 bis heute nicht nur lokale Kunstschaffende aufzuweisen sondern zog über die Jahre eine Reihe von überregionalen Malern an, die den Ort wiederholt besuchten. Es waren über ein Dutzend. Einige von Ihnen wollen wir hier vorstellen.

Eugen Felix Prosper Bracht

Schafställe in der Heide - Eugen Felix Bracht

Schafställe in der Heide - Eugen Felix Bracht

geb. 1842 am Genfer See, gest. 1921 in Darmstadt) war ein deutscher Maler. Bereits mit acht Jahren kam Bracht zusammen mit seiner Familie nach Darmstadt. Dort wurde Bracht Schüler der Maler Friedrich Frisch und Karl Ludwig Seeger. Johann Wilhelm Schirmer wurde auf den Schüler Bracht aufmerksam und ermöglichte ihm ab 1859 den Besuch der Karlsruher Kunstschule. Die Sommermonate 1860 konnte Bracht zusammen mit den Malern Emil Lugo und Hans Thoma im Schwarzwald verbringen. Gefördert und unterstützt durch seine Lehrer ging Bracht 1861 nach Düsseldorf und wurde dort Schüler von Hans Gude. Später konnte Bracht in Gudes Atelier zwar selbstständig arbeiten, war aber mit seinen Bilder nie ganz zufrieden.1864 verließ Bracht dann Düsseldorf und ließ sich in Berlin nieder. Nach ein paar Jahren kfm. Tätigkeit Bracht verließ er Berlin wieder und kehrte im Frühjahr 1876 zu seinem Lehrer Gude nach Karlsruhe zurück. Hier konnte Bracht dann auch mit seinen Dünenbildern erste Erfolge feiern. Mit diesen Bildern thematisierte Bracht hauptsächlich die kargen Landschaften der Ostseeküste der Lüneburger Heide und des Hümmling. Publikum wie offizielle Kunstkritik lobte an diesen Bildern die „…stimmungsvolle Einsamkeit“. Im Sommer bis Oktober 1875, entstanden auf einer längeren Reise Bilder in Börger (u. a. Hünengrab auf dem Hümmling). Weitere Reisen nach Börger auf den Hümmling, teilweise mit seiner Frau Toni zusammen,folgten. Bei seinen Reisen zu uns, die er bis 1895 machte, nahm er immer Quartier bei der Familie Langen in Börger bei der Kirche (heute Klönschnack). Neben seiner Malertätigkeit forschte er mit seiner Frau zusammen auch für Landekundemuseen in Berlin. 1880/81 unternahm Bracht eine längere Studienreise durch Syrien, Palästina und Ägypten. 1882 nahm Bracht einen Ruf als Dozent für Landschaftsmalerei an der Berliner Kunstakademie an und bereits zwei Jahre später avancierte er dort zum o. Proffessor. Die Jahre zwischen 1901 und 1919 wirkte Bracht als Dozent in Dresden an der dortigen Kunstakademie. Zu seinen Meisterschülern gehörten u. a. Paul Mishel und Artur Henne.

Karl Meier 1906 – 1985

Bauernhaus in Börger - Karl Meier

Bauernhaus in Börger - Karl Meier

Oft auch in Börger zu finden war der Künstler Karl Meier. Seine Kindheit verbrachte er mit seinen Eltern in Posthausen bei Verden im Landkreis Nienburg/Weser. Nach seinem Abitur 1925 begann er eine Malerlehre. Dann folgte der Besuch der Kunstgewerbeschule in Hildesheim, die er 1930 mit der „kunstgewerblichen Reifeprüfung“ in den Fächern „Malerei und Graphik“ beendete. Diese Hildesheimer Jahre haben sein Leben als Künstler geprägt, so berichtet er später. Auf dem Hümmling fand er berufsbedingt eine Heimat, die der Heimat seiner Kindheit so ähnlich ist. Eckard Wagner berichtet in der Broschüre „Der Hümmling, Landschaft im Wandel“ über die Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle des Malers. Dabei berichtet er über die Malerei in und um Börger: „ In der Kunstliteratur, – nicht die in der ersten Reihe – wird von mehreren Aufenthalten des berühmten Landschaftsmalers Eugen Bracht aus Berlin in Börger berichtet, der in den 1880 – 1890er Jahren Hünengräber, Schafherden, die Ostermühle und Landschaften malte. Dieselbe Landschaft hatte sich der Rheinländer Hermann Prüssmann, Meisterschüler von Otto Dix für seine Malerferien in den 1930er Jahren erkoren: das alte Börger, das Großstädter verzaubert haben mag! Nicht nur Stadtflucht war es, die auch Otto Pankok in der Vorkriegszeit, die für politisch Andersdenkende gefährlich war, in das Versteck „zwischen Helte und Bokeloh“ trieb. Auch der Cosfelder Heinrich Evertz fand hier in der „ländlich rückständigen Fremde“ Motive für seine zahlreichen Holzschnitte. Und auch heimische Künstler wie „Hellerbernd“ oder der „Maler Wolters, Papenburg“, dessen Einzelgängerschaft belächelt wurde, hielten „Momente für die Ewigkeit fest. – Die Künstler jedoch blieben im Gegensatz zu den Malern von Worpswede, so wie die Landschaft, meistens unbekannt!

Wilhelm Palmes 1903 -1982

Sein künstlerisches Talent wurde schon früh entdeckt. So begann der junge Wilhelm Palmes 1923 sein Studium an der Düsseldorfer Akademie. Von 1923 bis 1932 war er Schüler bei den Professoren Ludwig Heupel-Siegen, Hans Kohlschein und Karl Ederer, der ihn 1929 in den Kreis seiner Meisterschüler aufnahm. Zahlreiche Reisen führten Wilhelm Palmes in dieser Zeit durch Deutschland, in die Schweiz, nach Frankreich, Spanien, Mallorca und Italien. Die vielfältigen Eindrücke dieser Studienfahrten hielt er in einer Reihe bekannt gewordener Ölbilder, Pastelle und Aquarelle fest. Die Portraitmalerei jedoch wurde zu einem besonderen Schwerpunkt seines Schaffens. In Börger ist er nachweislich mindestens einmal gewesen. Hier besuchte er seinen Freund den Lehrer Karl Käufer, der wie er aus Greven stammt.

Hermann u. Gesina Fleer Börger, 1933

Hermann u. Gesina Fleer Börger, 1933

Zwei alte Menschen – neben einander ins Bild gesetzt – so portraitiert der Maler in diesem Bild das Hümmlinger Bauernpaar Hermann und Anna Fleer. Die Gesichter der beiden sind von einem arbeits- und entbehrungsreichen Leben geprägt und doch strahlen sie Erfüllung aus. Während der Mann fragend aber vielleicht auch ein wenig verschmitzt den Betrachter ansieht, sind die Augen der Frau eher bescheiden nach vorn und nach innen gerichtet. Beide haben das harte Leben in der trockenen und einsamen Landschaft des Hümmlings gemeinsam und in Würde gemeistert. Der Maler fängt die Verbundenheit, das stille Glück und die Würde des Hümmlinger Bauernpaars mit großer Sensibilität und realistischer Schärfe ein. Er zeigt diese Menschen in einem Gewand, das ihrer inneren Stimmung aber auch der Tradition entspricht: im feierlichen Schwarz der Festtagskleidung und der lokalen Tracht. Wie in vielen anderen Portaits fehlt auch in diesem Bild der konkrete Bezug zum Raum: dem Maler geht es nicht um Einzelpersonen und deren Schicksale. Es geht ihm um Allgemeines, Dauerhaftes, Universales. Hier ist es die Darstellung der Würde des Alters – unabhängig von konkreten Lebenssituationen, Schicht- oder Klassenzugehörigkeit. Damit steht der Künstler in der Tradition der großer Maler des 19. Jahrhunderts, eines Wilhelm Leibl zum Beispiel und damit gelingt ihm weite Beachtung und Anerkennung durch die internationale Kunstkritik. – (aus Wilhelm-Palmes.de 2009)

Heinz Kramer Hinte 1919 – 2009

Mit Heinz Kramer Hinte ist wiederum ein Künstler zu erwähnen, der zwar nicht in unserer Region lebt, seinen Blick jedoch wiederholt auf den Hümmling und auch auf Börger gerichtet hat. Mehr als 80 Gemälde und Motive aus dem nördlichen Emsland hat er in den Jahren zwischen 1969 und 1997 geschaffen. Geboren wurde er in dem kleinen ostfriesischem Ort Hinte, der wenige Kilometer nördlich von Emden liegt. Diesen Ortsnamen hat er seinem Nachnamen „Kramer“ angefügt, um den Namen mehr Prägnanz zu verleihen und Verwechselungen vorzubeugen. Der Zweite Weltkrieg verschlug ihn nach Cloppenburg. Über seine Ehefrau Hedwig mit der er 57 Jahre verheiratet war (+ 2004), dessen Vorfahren vom Hümmling stammen und seinem Freund Dr. Hubert Hahnenkamp ( + Ehrenmitglied des HV Börger) lernte er den Hümmling kennen und schätzen. Heinz Kramer Hinte war ein akribischer Handwerker. Die Zahl seiner Bilder ist hoch. Sein erstes Bild „Hund mit Fasan“ malte der Autodidakt im Alter von neun Jahren. Eines seiner frühen Hümmling-Bilder ist das hier abgebildete Motiv von „Ubben Krüss“. Seinem realistischen Stil blieb er Zeit seines Lebens treu, seine Gemälde bedürfen keiner Erläuterung. Der gelernte Maler Kramer-Hinte hatte sich 1951 an der Osterstraße selbstständig gemacht. 1977 übergab er das Geschäft an seinen ehemaligen Lehrling Jürgen Luttmer, der den Betrieb zur „Soesten-Galerie Kramer“ weiterentwickelte. Heinz Kramer Hinte starb am 22. Juli 2009 in Cloppenburg im 90. Lebensjahr. Im Mai 2010 wurde der Nachlaß geregelt. Die Stadt Cloppenburg und sein Heimatdorf Hinte verwalten seither die Bilder die noch im Besitz des Künstlers waren. Unter anderem ca 30 Bilder mit Motiven vom Hümmling. Der HV Börger plant im Jahre 2011 eine Wanderaustellung über den Hümmling. Die Stadt Cloppenburg sagte schon Unterstützung zu.

Arvydas Zdanavicius geb. 1951

Mit dem Litauer Künstler Arvydas Zdanavicius ist noch heute ein Maler in Börger tätig. Seit 1995 ist er nunmehr 10 mal in Börger bei der Familie Hermann Schmitz, Glupen zu Gast. Bei seinen Aufenthalten entstanden zahlreiche Ortsansichten von Börger und weitere emsländische Motive. 1993 lernte Hermann Schmitz den litauischen Künstler kennen, der 1951 in Kaunas geboren wurde und die Kunstakademie in der Landeshauptstadt Vilnius absolvierte. Seit der Auflösung der Sowetunion und dem Aufbau eines souveränen Staates Litauen kommt es nun zu regelmäßigen Besuchen in Börger. Mit seiner Arbeit unterstützt der Künstler die Aktivitäten des Malteser Hilfsdienstes beim Aufbau eines Kinderheimes in Krakes Litauen. Die Künstler aus dem Osten arbeiten aufgrund der dortigen Ausbildung wesentlich traditionsgebundener als ihre westlichen Kollegen. Sie entwickeln auch moderne Stilelemente, jedoch bleiben die Motive dabei häufig gegenständlicher und klar erkennbar. Die Verbindung von traditionellen und modernen Stilelementen zeigt sich auch in den Werken von Arvydas.